Prof. Norbert Fischer zum Wandel in der Bestattungskultur

Image

Sto/Porta Westfalica. Es wird sie auch weiterhin geben, aber in veränderter Form. Das war das Fazit, das Professor Dr. Norbert Fischer, Kulturhistoriker aus Hamburg, auf einer Vortragsveranstaltung in der Evangelischen Kirchengemeinde Holtrup zog. Unverkennbare Zeichen unserer Zeit seien eine verstärkte Individualisierung, Privatisierung und Technisierung der Lebensvollzüge, die auch nicht vor Sterben und Tod Halt machen.

Urnenbeisetzungen in Rasengräbern, Kolumbarien, kleine Ruheforstanlagen oder besondere Anlagen für verstorbene Kinder werden auch heute schon in viele Friedhöfe integriert. In Deutschland besteht grundsätzlich bei Bestattungen der Friedhofszwang, aber es ist fast absehbar, bis auch bei uns Urnen mit nach Hause genommen werden können - ein extremes Beispiel für die Privatisierung des Todes und des Toten. Die Feuerbestattung - so Fischer - ist ein Wiedergänger.

Schon die Antike kannte sie. Wieder entdeckt wurde sie gegen heftigen christlichen Widerstand in der Aufklärung und fortgesetzt in der sozialistischen Arbeiterbewegung.

In weiten Gebieten Ostdeutschlands ist die Feuerbestattung vorherrschend. Gefährdet ist die Weiterexistenz traditioneller Friedhöfe aber vor allem durch die hohe Mobilität. Kinder leben heute vielfach weit entfernt von ihren Heimatorten und können auf dem Friedhof nicht mehr ihrer Eltern gedenken. Ein Gedenkzeichen, wie etwa der Grabstein, aber brauche das erinnernde Publikum - so Fischer. So sei das Phänomen der Gedenkseiten im Internet gut erklärlich. In der Diskussion wurde daran erinnert, dass die Kirchen in der Durchführung würdiger Bestattungen für die Vergessenen, etwa für die Demenzkranken ohne Angehörige, eine Aufgabe hätten. Weiter bleibe offen, wie das Profil eines christlichen Verständnisses von Bestattung aussehen soll.

Die nächsten Veranstaltungen der Reihe: Am Mittwoch, 29. Oktober, spricht um 19.30 Uhr Dr. Barbara Happe, Kulturwissenschaftlerin aus Jena, zum Thema: Vom Winde verweht - Vom Verstreuen der Asche und weiterer Beisetzungsalternativen im Ev. Gemeindehaus der Kirchengemeinde Holzhausen ( Porta Westfalica), Gänsemarkt 7, am 2. Abend der Vortragsreihe: Raum für Tote - Bestattungskultur im Wandel. Die Evangelischen Kirchengemeinden in der Region Porta Westfalica laden herzlich ein.