Vokal-Ensemble „Valerina“ beschenkt Zuhörer in der Heilig-Geist-Kirche mit Vielfalt östlicher Musik

Bringen die geistlichen Gesänge und Volkslieder aus ihrer Heimat nach Deutschland: Valeria Shishkova, Alena Schneider, Dmitry Arnst und Ivan Piltschen. Ihr Gesang war ein Streifzug durch russisch-orthodoxe Sakralgesänge vergangener Jahrhunderte, gepaart mit einem Mix aus fröhlichen Volksliedern. Als musikalische Botschafter östlicher Musiktradition wollten sich die vier Sänger des A-Capella-Ensembles „Valerina“ zugleich auch als „klingendes Sinnbild der Völkerverständigung“ verstanden wissen.

Valeriya Shishkova, die Gründerin des Ensembles, nannte es „Brüderlichkeit in der Musik“. Gemeint war die Vielfalt, mit der das Ensemble am Samstagabend vor rund 130 Zuhörern sein breites Liederspektrum ausfaltete: Gesänge aus Weißrussland, aus der Ukraine und aus Russland selbst. Denn die vier Solisten kommen aus den drei genannten Ländern, wobei alle Sänger inzwischen in Deutschland leben. Über gemeinsame Choraktivitäten in Dresden haben sich die Altistin Alena Schneider, der Tenor Dmitri Arnst und Bass-Sänger Ivan Piltschen kennengelernt und unter der Leitung der Sopranistin Valeriya Shishkova 2011 als Ensemble „Valerina“ formiert.

Man musste die russische Sprache nicht verstehen, um zu begreifen, welch altem und reifen Kulturgut man in den Gesängen des Ensembles begegnete. Da gab es im ersten Teil zarte, fast durchsichtige Klänge von mystischer Schönheit. Ein Marienlied zum Beispiel, dessen ernster, rezitativer Charakter an die frühen Klostergesänge des Ostens denken ließ. Valeriya Shishkova, die in charmanter Moderation durch das Programm führte, ließ die Zuhörer wissen, dass die alten russischen Kirchenlieder nur von Männerchören gesungen werden durften, einstimmig zunächst, und sich später erst, mit Aufkommen eigener Sakralkompositionen, eine farbige Mehrstimmigkeit entwickelt habe.

Bringen die geistlichen Gesänge und Volkslieder aus ihrer Heimat nach Deutschland: Valeria Shishkova, Alena Schneider, Dmitry Arnst und Ivan Piltschen.Mit andächtigen, getragenen Gesängen wie dem „Cherubinen-Lied“ oder dem „Sanctus“ nahm das Ensemble die Zuhörer mit aus einer meditativen, leicht melancholischen Musik in eine feierliche Mehrstimmigkeit, die nach und nach den stimmlichen Reichtum der vier Sänger erleben ließ. Bei einem russischen Weihnachtslied etwa gab es einen schwungvollen Wechsel zwischen Sopran- und Alt-Passagen, eingebettet in den vollen, warmtönigen Bass von Ivan Piltschen.

Im zweiten Teil des Programms stellte das Ensemble vertonte Gedichte und schwungvolle Volksweisen aus den drei Ländern vor. Da wurde von einem übermütigen Feldarbeiter gesungen, der nach einer jungen Braut Ausschau hält. Inzwischen ohne Notenbuch in der Hand, illustrierten die vier Sänger den Inhalt ihrer Lieder mit lebhaften Gesten. Ein übermütiges Jauchzen, ein keckes Stampfen am Ende der Strophen zeugten von der Fröhlichkeit der Gesänge. Schließlich sorgten ein Schellenstab und klappernde Holzlöffel noch für den nötigen Rhythmus, um die Zuhörer atmosphärisch mitzunehmen auf die Brautwerbung des verliebten Burschen um seine „Maschenka“.

Das Publikum, das zunächst mit spontanem Zwischenapplaus immer wieder seine Begeisterung ausgedrückt hatte, feierte die Sänger am Schluss nochmals für ihre beeindruckende Leistung und erklatschte sich gleich mehrere Zugaben.

Russische Kultur hat lebhaften Anteil in der Wichern-Gemeinde

Matthias Mengel, seit 1995 Gemeindepfarrer in der Südstadt-Gemeinde, betont den hohen Anteil von Gläubigen, die aus Russland nach Bad Oeynhausen gekommen sind. „Wir haben immer schon russische Chöre in unserer Gemeinde zu Gast gehabt“, erläutert er und unterstreicht: „Die Vielfalt, auch im musikalischen Zusammenhang, bereichert uns“. So war auch Dr. Rosemarie Siegert, Presbyterin in der rund 3.400 Mitglieder starken Gemeinde, spontan auf die Anfrage von Valeriya Shishkova zugegangen, als diese vor gut einem Jahr wegen eines Konzerts angefragt hatte.  „Wir kannten das Ensemble bis dahin nicht, aber wir haben auf die russisch-ukrainische Stimmkraft vertraut“, sagte sie im Vorfeld.

Gespannt waren auch Valeria Kramer und Anna Weiler auf das musikalische Erlebnis. Die beiden Konzertbesucherinnen aus Kasachstan und ihre Begleiterin Katharina Gnädig, gebürtig aus Russland, leben seit über 20 Jahren in Bad Oeynhausen und fühlen sich fest ins Gemeindeleben eingebunden. „Wir verstehen natürlich auch die Texte“, freuten sie sich. Offenbar jüngster Konzertbesucher an diesem Abend war der vierjährige Gennadi, der mit seiner Mutter und Großmutter aus einer der vorderen Reihen neugierig das Geschehen beobachtete.