Henning Scherf zu Gast in Volmerdingsen

v.l.: Gemeindepfarrerin Anja Helen Bierski, Dr. Henning Scherf und Birgit Danielsmeyer.BD/Bad Oeynhausen. Anfang Februar war Dr. Henning Scherf, der von 1995-2005 Bürgermeister der Stadt Bremen war, zu Gast in der Kirchengemeinde Volmerdingsen. Er hielt einen Vortrag über die Chancen des Lebens im Alter.

Nahezu 200 Menschen waren der Einladung des Frauengesprächskreises und des Presbyteriums in das Gemeindehaus gefolgt. Noch vor dem offiziellen Beginn seines Vortrages ging Dr. Scherf durch alle Reihen und begrüßte jeden Besucher per Handschlag. In seiner sympathischen und offenherzigen Art umarmte der als „Oma-Knutscher“ bekannte Referent spontan die ein oder andere „Oma“ wie selbstverständlich.

Nach der Begrüßung und einer kurzen Einführung in das Thema durch die Leiterin des Frauengesprächskreises, Birgit Danielsmeyer, hielt Dr. Scherf einen eindrucksvollen Vortrag über das Leben und Wohnen im Alter. Und der 78-Jährige wusste, wovon er sprach! Seit 30 Jahren wohnt er in einem Mehrgenerationenhaus und ist begeistert von dieser Art des Zusammenlebens. Als ihre drei Kinder aus dem Haus waren, entschloss er sich mit seiner Frau Luise und acht weiteren Freunden, einen Altbau im Zentrum Bremens zu kaufen, zu renovieren und dort gemeinsam einzuziehen. „Zwangsstrukturen sind nicht gewünscht, jeder Bewohner hat seinen eigenen Rückzugsort, Wohnungen findet man bei uns nicht verschlossen, es herrscht ein reges Miteinander, Tradition ist in jeder Woche das gemeinsame Frühstück am Samstag“, so Scherf. „Individualität kann nach wie vor gelebt werden. Eine Fluktuation in der Hausgemeinschaft ist natürlich, durch Studium und Ausbildung ziehen Bewohner ein und aus. Über Neuaufnahmen im Haus entscheidet jeder in gleicher Gewichtung, das ist für uns selbstverständlich“, so der Vortragende. Drei Bewohner wurden bislang bis zu ihrem Tod im Haus von allen liebevoll gepflegt und begleitet.

Oftmals kam im Publikum die Frage der Bezahlbarkeit solcher privaten Wohnprojekte auf. Dr. Scherf riet alle Möglichkeiten bei der Planung zu überdenken und erläuterte ergänzend das „Bielefelder Modell“, bei dem es um selbstbestimmtes Wohnen mit Versorgungssicherheit in Verbindung mit ehrenamtlichem Engagement in Wohnungsquartieren geht. Hier ist für unsere Region das Evangelisches Johanneswerk e.V. in Bielefeld ein Beispiel, sich institutionelle Lösungsmöglichkeiten aufzeigen zu lassen. Nach fast zwei Stunden ging die Veranstaltung zu Ende und jeder Besucher konnte sicherlich die ein oder andere Anregung für sein zukünftiges Leben und Wohnen im Alter mit nach Haus nehmen.

 

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