„Christliche Satirische Unterhaltung" sorgt für einen vergnüglichen Abend
Ingmar Neserke (hinten) nahm die Kirche aufs Korn: Pfarrer Markus Freitag (vorne links) und Andrea Jacoby-Strate mussten mitwirken, um das Bild der Sixtinischen Madonna von Raffael nachzustellen. AB/Bad Oeynhausen. Einen kurzweiligen Abend bot Kabarettist und Pfarrer Ingmar Neserke im Rahmen des 125-jährigen Jubiläums der Ev. Kirchengemeinde Lohe. Mit geistreichen Sketchen und satirischen Liedern zum Thema Politik, Gesellschaft und Kirche sorgte er in der vollbesetzten Kirche am Freitagabend für reichlich Lacher.

„Kirche und Kabarett, passt das zusammen", fragte Pfarrer Markus Freitag die zahlreichen Gäste augenzwinkernd. Ingmar Neserke meint: Unbedingt! Wie beides eine gelingende Einheit bilden kann, zeigte er mit seinem Programm „Ingmars bundesweite Christlich Satirische Unterhaltung". Wie kommt das "C" in die CDU, und was hat es dort zu suchen? Wie beeinflusst Angela Merkels Mundorgel die Weltpolitik? Wie könnte ein Zielgruppen-Gottesdienst für Vielflieger gestaltet werden? Diese und andere Fragen wurden bissig und pointiert aufbereitet, musikalisch begleitet und zum Teil unter Publikumsbeteiligung geklärt.


Dabei gewährte Ingmar Neserke tiefe Einblicke in den Alltag eines Pfarrers. In seinem "Predigtlied für Ernst Lange" - Lange war eine wichtige Gestalt der Homiletik, der Predigtlehre - schildert der Kirchenkabarettist die Mühen eines Pfarrers noch in der Samstagnacht eine gute Predigt für den Sonntagsgottesdienst zu schreiben: "Gegen Mitternacht hab ich immerhin den Rahmen. Oben steht: ,Liebe Gemeinde' und unten steht ,Amen' ... Und ich grüble Ernst und Lange - doch es hilft nichts." Wann denn Pfarrer Freitag seine Predigt fertig hätte, fragte er keck. „Schon Samstag früh? Also pünktlich zur Sportschau. Tja, man muss halt Prioritäten setzen, dafür ist meine allerdings aktueller", kommentiert er dessen Antwort und erntet dafür herzhaftes Lachen vom Publikum.

Biblische Inhalte werden von ihm amüsant veranschaulicht, wenn der Pfarrer die Eigenheiten der vier Evangelien anhand der deutschen Presselandschaft erklärt: Markus sei mit seiner Aneinanderreihung von Fakten, Fakten, Fakten der „Focus" unter den Evangelien, während Lukas wie der „Spiegel" soziale Gesichtspunkte in den Vordergrund stelle. Matthäus gleite mit der Darstellung der Drei Könige in das Boulevardmäßige ab und bediene die „Stern" - Leser. Als Neuling im Kreise der Evangelisten sei Johannes mit dem Magazin der Süddeutschen vergleichbar. Seine Homestory über die Hochzeit von Kana, belege, dass Jesus evangelisch war, „denn während die anderen feierten, hat er gearbeitet und sich um das Catering gekümmert".

Mit viel Ironie wird die Wechselbeziehung von Kirche, Medien und Gesellschaft ebenso durchleuchtet, wie der Einfluss des protestantischen Pfarrhauses auf die Politik. „Angelika Merkel ist die Madonna des Protestantismus...Sie verbreitet überall die Atmosphäre eines Gemeindehausnachmittages", unkt er und stellt sogleich mit Pfarrer Freitag und Andrea Jacoby-Strate die Gemäldekomposition der Sixtinischen Madonna nach, dessen kleine Putti am unteren Bildrand zu großer Berühmtheit gelangten.

Locker und scharfzüngig geht er mit den kleinen Macken der christlichen Kirche und des Glaubens um, mahnt kapitalistisch orientierten Bestattungsunternehmer an und stellt Sparvorschläge zur „Halbierung der Beerdigungskosten" vor. So könne doch die bekannte schwedische Möbelhauskette IKEA eine Sargserie entwickelt, die sich mühelos in deren Programm integriere. Zum Beispiel in das Schrankprogramm „Pax", das alle Aufbewahrungswünsche erfülle. Als Pendant zum Kinderparadies „Smaland" gebe es dann ein „Dörrland", zur Abgabe der Oma, ganz nach dem Motto „Oma, lebst Du noch oder wohnt Du schon?".

Um fit für die Zukunft zu werden, dürfe sich die Kirche dem Infotainment nicht verschließen. So empfahl der Pfarrer statt der üblichen Abkündigungen einen „Gemeindegliederströmungsfilm" à la Claudia Kleinert, in dem die Gläubigenströme zum Pfarrhaus und der Niederschlag im Klingelbeutel aufbereitet wurden. Mit einem fiktiven Anruf bei der Hotline der EKD, bei dem der Bittsteller in der Warteschleife endlos herumirrt, ging der vergnügliche Abend mit großen Applaus in der Loher Kirche zu Ende.


 

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