Kindergarten Regenbogen: Vortrag über Prävention von sexuellem Missbrauch an Kindern

Engagiert: Martina Gehring (v.l.), Ulrike Salzsieder und Ulrike Niehus vom Familienzentrum Eidinghausen hatten den Vortrag über Prävention von sexuellem Missbrauch an Kindern organisiert.SCS/Bad Oeynhausen. Was kann man tun, damit Kinder keine sexuellen Gewalterfahrungen machen? Wie spreche ich mit meinem Kind darüber, ohne ihm Angst zu machen? Wie reagiere ich, wenn ich einen Verdacht habe? Über diese und viele weitere Fragen referierte Vera Cawalla von der Präventions- und Beratungsstelle „Strohhalm“ vor Eltern und Erziehern im Ev. Kindergarten 'Regenbogen' Eidinghausen. Viele Interessierte waren gekommen, um sich über das sensible Thema zu informieren.

„Das Thema sexualisierte Gewalt hat eine besondere Dynamik. Viele Kinder und auch Erwachsene wissen nicht, wo sexueller Missbrauch anfängt und was noch harmlos ist“, sagte Vera Cawalla und nannte Freiwilligkeit als wichtiges Kriterium: „Kann das Kind mühelos ablehnen und nein sagen? Wem nutzt die Handlung? Gibt es ein Machtgefälle oder erkunden z.B. Gleichaltrige ihre Körper in Doktorspielen?“ Die Referentin betonte, dass Missbrauch niemals zufällig passiere.

„Immer steckt Absicht dahinter. Täter überlegen zielgerichtet, was sie tun, um nicht erwischt zu werden. Sie machen sich Situationen zunutze, die man so oder so auslegen kann, um ihr Tun zu verharmlosen. Wenn ein Erwachsener oder ein älterer Jugendlicher eine Situation ausnutzt, um sich sexuell zu befriedigen oder sexuelle Handlungen vorzunehmen, ist es Missbrauch“, sagte Vera Cawalla und nannte einige statistische Fakten.

Schätzungen zufolge erleben jedes fünfte Mädchen und jeder neunte Junge vor ihrem 18. Geburtstag mindestens einmal sexuelle Gewalt. Dazu zählen Nötigung, Missbrauch, Exhibitionismus und Vergewaltigung. Mit 95 Prozent sind die Täter überwiegend männlich. In der Regel kennen sich Täter und Opfer, 47 Prozent sind Familienangehörige, 24 Prozent Bekannte und nur 29 Prozent Fremde. „Dazu zählen beispielsweise Exhibitionisten“, so Vera Cawalla. Jährlich werden bis zu 18.000 Fälle angezeigt. „Die Dunkelziffer ist erschreckend hoch. Geschätzt werden zehn nicht angezeigte auf einen angezeigten Fall“, sagte die Referentin. „Kinder schweigen aus Angst und Scham. Manche Kinder haben ein Nein-Gefühl, wissen aber nicht, warum, weil sie noch nicht aufgeklärt sind. Täter versuchen, ihnen ihre Wahrnehmung auszureden. So wird auf den Po klopfen mit notwendigem Eincremen erklärt. Sie setzen die Kinder mit dem gemeinsamen Geheimnis unter Druck. Daher ist der Missbrauch oft schwierig nachzuweisen.“ Täter haben meist ein geringes Selbstwertgefühl, wenig Empathie und oft selbst körperliche Gewalterfahrungen gemacht. „Sie wollen Macht ausüben und damit ihre Ohnmachtsgefühle, Eifersucht und Hilflosigkeit kompensieren“, erläuterte die Expertin.

Zur Prävention ist wichtig, die Kinder aufzuklären und genau hinzusehen. Kinder müssen ihre Grenzen und Grenzüberschreitungen erst lernen. „Nähe sollte schön sein, ist aber nicht jedem angenehm. Gewalt hat nichts mit Liebe und Partnerschaft zu tun. Kinder können das unterscheiden und sollten wissen, dass nicht jeder ihren Körper anfassen darf“, erläuterte Vera Cawalla. Eine lebhafte Diskussion entstand, als sie Beispiele nannte und fragte, ob die Anwesenden ein Nein-Gefühl empfinden, beispielsweise wenn eine entfernte Tante ein Kind zur Begrüßung abknutscht oder ein Betreuer im Zeltlager die Kinder anfasst.

„Wichtig ist, Selbstbewusstsein, Empathiefähigkeit und soziale Kompetenz der Kinder zu stärken. Wenn Eltern nicht Klartext reden, kennen Kinder die Tricks und Strategien der Täter nicht“, so Vera Cawalla. Sie riet den Anwesenden, direkt nachzuhaken, wenn sie das Gefühl haben, ein Kind werde manipuliert und ausgenutzt und empfahl, sich bei einem Verdacht an eine Fachberatung zu wenden. Traumasymptome wie Panikattacken, Vermeidungsverhalten, Bauchschmerzen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen können individuell verschieden sein. „Schauen sie hin, hören Sie zu, achten Sie auf Verhaltensauffälligkeiten“, gab sie den Eltern und Erziehern mit auf den Heimweg.

 

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