Poetische Quellen mit Rolf Becker und dem Ensemble Vinorosso
Ausdrucksstark: Rolf Becker zog die Zuhörer bei den Lesungen in seinen Bann. scs/Bad Oeynhausen. Mit einer außergewöhnlichen Konzertlesung begann am Mittwochabend das 18. Internationale Literaturfest „Poetische Quellen“. In der Auftaktveranstaltung unter dem Titel „Weltsichten“ begeisterten das Orchester Ensemble Vinorosso und der Schauspieler Rolf Becker die Besucher in der voll besetzten Auferstehungskirche am Kurpark.

Um zum Jahresmotto „Die Lesbarkeit der Welt“ hinzuleiten, hatten Michael Scholz, künstlerischer Leiter der „Poetischen Quellen“, und Rolf Becker die Texte eigens für den Abend zusammengestellt. Mit seiner ausdrucksstarken Stimme las Rolf Becker Textpassagen von Nazim Hikmet, SAID, Ingeborg Bachmann und weiteren internationalen Autoren vor. Mit dem Aufruf, das Leben der Menschen müsse geändert werden, endete seine erste Lesung. Im Verlauf des Abends regten Themen wie Freiheit, Solidarität und die Schicksale der Flüchtlinge die Zuhörer auf vielfältige Art zum Nachdenken an.

Spielfreudig: Das Ensemble Vinorosso faszinierte die Zuhörer beim Auftakt der Poetischen Quellen mit Balkanklängen.

Auch das Wechselspiel aus Musik und Literatur, manchmal auch miteinander verwoben, bot unterschiedliche Sichten auf die Welt. Mit spürbarer Spielfreude musizierte das Orchester „Ensemble vinorosso“ unter der Leitung von Florian Stubenvoll Melodien aus dem Mittelmeerraum über den Balkan bis zur Schwarzmeerregion. Die Faszination der für mitteleuropäische Ohren oft fremd klingenden Weisen zog die Zuhörer mitten hinein in die Klangwelten anderer Kulturen. Melodien voller mitreißendem Schwung, mal heiter und voller Gefühl, mal melancholisch, und oft rasante Rhythmen voller Taktwechsel brachten das Flair der fremden Länder in den ostwestfälischen Kirchraum. Einige der Stücke begannen solistisch und zart, nach und nach setzten die anderen Instrumente ein, bis zum vollen jubelnden Tuttiklang.

Die Spielfreude der Musizierenden übertrug sich direkt auf das begeistert mitwippende und applaudierende Publikum. Fasziniert lauschten sie auch Maja Hunzikers Solo auf der Strohgeige. Bei diesem auch optisch außergewöhnlichen Instrument ohne Resonanzkörper werden die Schwingungen der Saiten mit einem Metalltrichter verstärkt, ähnlich dem Prinzip eines Grammophons. Nach jedem Stück spendeten die Zuhörer reichlich Applaus, der am Ende zu tosenden Begeisterungsstürmen aufbrandete. Rolf Becker und das Orchester bedankten sich mit mehreren Zugaben bei ihrem Publikum, das die Mitwirkenden der „Weltsichten“ mit stehenden Ovationen feierte.

 

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