Ein Literaturgottesdienst im Rahmen der „Poetischen Quellen“

Pfarrer Lars Kunkel predigte im 34. Literaturgottesdienst der Altstadtgemeinde beim Veranstaltungswochenende der „Poetischen Quellen“ in Bad Oeynhausen / Löhne.MW-RL/Bad Oeynhausen. Zum 34. Literaturgottesdienst auf dem Aqua Magica Gelände war das Festzelt der Poetischen Quellen bis auf den letzten Platz besetzt. Ein Team aus der Altstadtgemeinde in Bad Oeynhausen hatte mit Pfarrer Lars Kunkel den Gottesdienst mit Lesungen und Gedanken aus dem Roman „Zoli“ von Colum McCann vorbereitet.

„Zoli“ ist die Geschichte eines Roma Mädchens, das das Massaker an den Roma im Zweiten Weltkrieg überlebt hat. Entgegen üblicher Roma-Tradition lernt Zoli Lesen und Schreiben. Sie schreibt Lieder und Geschichten der Roma auf, gerät aber bald zwischen die Fronten. In der Tschechoslowakei wird sie von den Herrschenden als Figur der Integration missbraucht. Daraufhin wird sie von den Roma missachtet und verstoßen. Allein macht sie sich auf den Weg nach Österreich, wo sie von einem Priester gefunden und betreut wird.

In seiner Predigt griff Pfarrer Kunkel ein Zitat aus dem Buch als Leitgedanken auf: „Die schlimmste Bürde im Leben ist das, was andere über uns wissen. Vielleicht gibt es noch eine, die schlimmer ist: Es ist das, was sie, wenn sie nichts über uns wissen, im Stillen über uns denken, was sie aus uns machen, wenn sie uns ihren Erwartungen anpassen.“

Kunkel bezog dies auf die hoch aktuelle Debatte um das Burkiniverbot in Frankreich: „Ich bin für Freiheit und Gleichberechtigung von Männern und Frauen und finde es empörend, wenn pseudoreligiöse Grundsätze benutzt werden, um Frauen etwas vorzuschreiben“, sagte er. Dann aber hielt er inne und fragte, was er über das Innere dieser Frau mit Burkini und ihre Beweggründe wissen könne. Wie im Roman könne es sein, dass die individuelle Entscheidung einer Frau politisch verwendet werde, um Fremdes den eigenen Erwartungen anzupassen.

 

Siehe auch: