Giora Feidman Sextett vereint Menschen um des Friedens willen

Klare Friedensbotschaft für die Welt: Giora Feidman in Bad Oeynhausen.RL/Bad Oeynhausen. Ganz leise auf seiner Klarinette spielend kommt er von hinten durch den Mittelgang der Auferstehungskirche nach vorne. Das ist quasi ein Konzert-Markenzeichen von Giora Feidman, der an diesem Abend bereits zum vierten Mal in Bad Oeynhausen zu Gast ist. Pfarrer Hartmut Birkelbach vom Kulturreferat „KuK!“ des Evangelischen Kirchenkreises Vlotho hat ihn wieder in die Kurstadt geholt. 

Vorne angekommen erklimmt der 82-jährige weltbekannte Künstler die Stufen zum Altarraum etwas mühsam. Aber dann sprüht er in altbekannter temperamentvoller Frische und befeuert seine Bandmitglieder des für sein aktuelles Musikprojekt eigens zusammengestellten Sextetts. 

„Klezmer for Peace“ - das Giora Feidman Sextet in der Auferstehungskirche am Kurpark in Bad Oeynhausen.

„Klezmer for Peace“ heißt dieses Programm, mit dem Feidman sich erneut als Botschafter einer großen Idee erweist. „Musik ist die eine Sprache, die Menschen unabhängig von Herkunft, Kultur und Religion zusammenführt und Zusammengehörigkeit über alle Grenzen hinweg erleben lässt.“ So in etwa sind Feidmans in seiner unverwechselbaren deutsch-englischen Mischsprache vorgetragenen Gedanken. Dass alle Menschen zu einer großen Familie gehören, einfach weil sie Menschen sind, konnten die gut 500 Konzertbesucher an diesem Abend für ein paar friedvolle Momente echt erleben.

Zum Teil ungewöhnliche Instrumenten: Muhittin Kemal Temel spielte die orientalische Zither (Kanun) und Gürken Balkan Gitarre und die klassische Dud.Die Friedensabsicht des Konzertprojekts wirkt nicht aufgesetzt. Sie ist implementiert in hochprofessionell vorgetragene Musik unterschiedlichster Stilrichtungen, im weitesten Sinne hier als Klezmer bezeichnet, also einer Form von „Volksmusik“, die eine lange jüdische, internationale Tradition hat. Feidmans Sextett besteht aus drei muslimischen und drei jüdischen Musikern, die mit ihren in solchem Kontext zum Teil ungewöhnlichen Instrumenten wie Kanun, einer orientalischen Zither, und der klassischen Harfe ein vielschichtiges Klangbild der Folkmusik präsentieren.

Hila Ofek spielte die Harfe und fügte sich bewegend in die Folkmusik ein.

Manches klingt orientalisch, für „westliche Ohren“ fremd, ohne aber den Zuhörer abzuschrecken. Es will vielmehr einladen, anlocken, was zweifellos auch gelingt. Und eben darin liegt die Tiefe der Botschaft dieses Konzerts eines jüdisch-muslimischen Sextetts, unter dem Kreuz im Altarraum einer christlichen Kirche vorgetragen: Scheinbare Widersprüche überwindet das Giora Feidman Sextett mit Musik zu einer wunderbaren Harmonie, die Feidman dann nur noch kurz, das Publikum symbolisch umarmend, deuten muss: „We are family!“

Auf die hervorragenden Einzelleistungen der Musiker kann an dieser Stelle nicht im Detail eingegangen werden. Der Maestro überlässt ihnen auf weiten Strecken großzügig den Raum, setzt sich hin, ruht zwischendurch ein wenig aus, während seine familiären und musikalischen „Nachkommen“ (Enkelin Hila Ofek an der Harfe ist mit ihrem Mann Andre Tsirlin auch dabei) ihr Klezmer-Feuerwerk entzünden. Aber dann steht er auch wieder auf und mischt in alter Frische kräftig mit, unablässig engagiert für Völkerverständigung und Frieden in der Welt.

Andre Tsirlin (links) brillierte mit dem Sopransaxophon. Murat Coskun sorgte für Percussion und steuerte auch eigene Kompositionen mit bei.

 

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