Werke des Künstlers Johannes Kriesche in der Auferstehungskirche

Der Künstler Johannes Kriesche erzählte nicht nur über die Entstehung der einzelnen Bilder, sondern auch über die Beziehung zwischen Kunst und Glauben.MW/Bad Oeynhausen. Auf den ersten Blick sind die Gemälde flächig mit ungewöhnlichen Farbtönen und wirken wie Negative von Analogfotos. Man erkennt sofort einige Motive: Menschen, schemenhaft dargestellt, stehen im LKW, zwei Männer tragen einen verletzten Mann, eine Band spielt Musik.

Vom weiten erkennt man jedoch, dass jedes Gemälde von einem Motiv aus Glaskugeln erweitert oder sogar überlagert wird. Sie fangen das Licht ein, brechen es, machen es sichtbar.Diese einzigartige Bildsprache lädt der Betrachter ein, sich mit den Themen Terror und Gewalt in unserer Zeit auf einer anderen Ebene auseinanderzusetzen. „Wenn die Vernunft die Augen schließt ...“ heißt die Ausstellung vom Frankfurter Künstler Johannes Kriesche, die aktuell in der Auferstehungskirche gezeigt wird. Sie wird gemeinsam von der Bad Oeynhausen-Alststadtgemeinde und des Kulturreferats des Kirchenkreises Vlotho („KuK!“) veranstaltet.

Bei der Ausstellungseröffnung führte Johannes Kriesch selbst in die Ausstellung ein und erzählte über die Entstehung von einzelnen Bildern, über die Rolle der Künstler für das kollektive Gedächtnis einer Gesellschaft und über seine eigene Betroffenheit angesichts des Anschlags im Pariser Musikclub „Bataclan“ (2015). Er sei entsetzt gewesen, dass junge Menschen anderen jungen Menschen so etwas antun können. Außerdem sei das Attentat einen Anschlag auf die Kunst und die Kultur gewesen.Ein Foto in der Warschauer Presse, das zwei Feuerwehrmänner zeigt, die einen Verletzten tragen, habe einen tief religiösen Moment eingefangen, der ihn zutiefst bewegte. „Es erinnerte mich an Bilder der Kreuzabnahme. Ich musste damit etwas machen.“ So entstand das erste Bild „Unterm Kreuz“. Kriesche erklärte: „Jedes Bild hat seine eigene Geschichte und ist auf einen bestimmten Moment reduziert.“ Ereignisse werden nicht einfach abgebildet, sondern werden mit Gefühlen und Erinnerungen in Verbindung gesetzt. Über seine künstlerische Sprache sagte Kriesche: „Ein Künstler muss experimentieren können. Ich wollte Gegensätze vereinen und Grenzen überwenden. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Lichtkugeln und Gewehrkugeln.“

Die Ausstellung wurde mit einem Gottesdienst und anschließendem Empfang eröffnet. Pfarrer Lars Kunkel nahm in seinem Predigt das Bild „Unterm Kreuz“ besonders in den Blick und fragte, was uns wieder zur Vernunft in unserer bewegten Zeit bringen kann: „Mir scheint, dass wir wieder zu Vernunft über die Herzen kommen. Die Verletzlichkeit und Barmherzigkeit als Mitmenschlichkeit zuzulassen scheint mir nun wahrhaftig ‚vernünftig‘ zu sein“.

Bezüglich der Auferstehungskirche als Ausstellungsort sagte Kriesche, dass diese Bilder zum ersten Mal in einer Kirche hängen: „Ich habe das Gefühl, dass sie zu ersten Mal am richtigen Platz sind.“ Die Ausstellung „Wenn die Vernunft die Augen schließt ...“ kann bis zum 26. November von 9 – 18 Uhr besichtig werden. Der Eintritt ist frei.

 

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