Ein Bericht von Miriam Mandryk
Viele Erlebnisse in Wales: Die Freizeitgruppe. Foto: Marius BrollMM/Vlotho. „Willkommen in Wales!" Zwei Wochen lang erkundeten 14 Jugendliche und junge Erwachsene auf einer Mitarbeiterfreizeit des Kirchenkreises Vlotho unter der Leitung von Jugendreferent Christian „Welle" Wellensiek Land und Leute.

Der Blick in den Rückspiegel bot mir folgendes Bild: Sechs erwartungsvoll und noch ein wenig schüchtern dreinblickende junge Leute, die vor fast bis unter die Decke des Bullis aufgetürmten Reisetaschen auf ihren Plätzen saßen. "Auf geht's nach Wales", dachte ich und startete den Motor, um Welle, der am Steuer des anderen Bullis saß, welcher soeben vom Parkplatz des King's Corners an der Rehmer Kirche rollte, zu folgen. Los ging es also, auf eine Reise in den Westen Großbritanniens. Und so fuhren wir – 16 junge Leute aus Bad Oeynhausen und Porta Westfalica im Alter zwischen 16 und 20 in zwei VW-Bullis voller Gepäck – dem Sonnenuntergang entgegen. Gemütlich zuckelten wir in der Kolonne in Richtung Abenteuer, passierten das Ruhrgebiet, die Holländische und wenig später die Belgische Grenze, fuhren weiter nach Frankreich und fanden uns knappe sechs Stunden nach Abfahrt am Fährhafen in Calais wieder – über eine Stunde eher als gedacht, sodass wir sogar eine frühere Fähre nehmen konnten, die uns bei Sonnenaufgang in Dover absetzte.

Wales - Foto: Marius BrollKurz nach dem Verlassen der Fähre, hielt das britische Königreich bereits die erste Überraschung bereit: Es reihte sich Kreisverkehr an Kreisverkehr, die es im Linksverkehr zu bezwingen galt. Doch: Alles kein Problem! Und so erreichten wir am 23. Juli gegen 15.30 Uhr unsere Destination: Das Hostel in Poppit Sands.

Wir holten die Taschen aus den Bullis und stiefelten frohen Mutes die Treppen zum Eingang hinunter. Der Blick, der sich uns von da aus bot, raubte uns beinahe den Atem und ließ einigen gar die Tränen in die Augen steigen. Denn was wir dort vorfanden, hätte sich wohl kaum jemand in seinen Urlaubsträumen vorstellen können: Bei strahlendem Sonnenschein öffnete sich aus dem kleinen Gärtchen vor dem Eingang des Hostels der Blick über die Bucht mit weißem Sandstrand hinaus auf's offene Meer. Kurz hielten wir inne und atmeten durch. Dann wurden die Zimmer – allesamt mit Meerblick – verteilt und bezogen und wenig später fanden wir uns im Aufenthaltsraum zum Eröffnungsabend wieder, bei dem gespielt, gesungen, gequatscht und sich beschnuppert wurde.
Nach einer erholsamen Nacht bei Meeresrauschen und lauen Temperaturen, starteten wir am folgenden Morgen in 10 wundervolle Tage Freizeit mit buntem Programm. Vorne an standen zunächst einmal die Bibelarbeiten, in denen wir in Gruppen Fragen rund um das Thema „Gebet" zu beantworten suchten. Manches, was uns vorher unklar war, konnte angesprochen werden und es ergaben sich intensive und weiterführende Gespräche mit so manchem Aha-Effekt.

Weiter kochten wir Marmelade, knüpften Armbänder, spielten Gesellschaftspiele, badeten im 12 Grad kalten Ozean, lasen oder genossen schlichtweg den atemberaubenden Ausblick mit einer Tasse britischem Tee. Weiter standen ein kulinarischer Kochabend und ein mörderischer Krimiabend auf dem Programm, die von den Teilnehmern der Freizeit vorbereitet wurden. Auf unseren Ausflügen erkundeten wir die Küstenregion um unser Hostel, wanderten auf dem Coastal Path, strandeten in der Küstenstadt St. Davids und besuchten die Wildpferde an den Klippen von White Sands. Höhepunkt war die anstrengende und zugleich wunderschöne Wanderung im Nationalpark Snowdonia, wo wir an einem Bergsee rasteten, bevor wir den zweithöchsten Berg von Wales, den „Cader Idris", bezwangen und die Natur und Aussicht genossen.

In Aberystwith, einer alten walisischen Küstenstadt, kehrten wir gleich zwei Mal ein: Am Samstag erkundeten wir die Stadt und weil uns die Kirche und der Pfarrer so gut gefielen, fuhren wir zum sonntäglichen Gottesdienst gleich nochmal hin. Dort wurden wir freundlich willkommen geheißen und von der sehr offenen Atmosphäre überrascht, sangen mit der Kirchenband fröhliche Lobpreislieder und lauschten einer spannenden Predigt.

Das Bergfest zur Hälfte der Freizeit wurde mit einem typisch britischen Bingo-Abend bestritten und natürlich statteten wir auch der walisischen Hauptstadt Cardiff einen Besuch ab. Um Land und Leute noch ein wenig besser kennenzulernen, besuchten wir dann am vorletzten Abend den Pub in der nahegelegenen Bucht und genossen den Abend bei gutem Essen, Limo, Cider und Pint. So merkten wir kaum, wie die Zeit davon rannte.

Und so saßen wir am letzten Abend nochmal alle zusammen zum Abschluss- und Segnungsgottesdienst und ließen eine großartige Zeit Revue passieren, bevor wir am Morgen des 3. August unsere Taschen wieder in die Bullis stopften, um die Rückreise anzutreten. Ein wenig wehmütig, bezwangen wir letztmalig im Rückwärtsgang die enge Ausfahrt des Hostels und rollten über die noch engen Straßen der walisischen Pampa, zumeist am Meer entlang, der Heimat entgegen.

Doch natürlich sollte es das noch nicht gewesen. Denn zum fulminanten Finale legten wir auf dem Weg nach Dover noch einen ausgiebigen Zwischenstopp in London ein. Hier zunächst durch die für uns Landeier zu schnell schließenden U-Bahn-Türen getrennt, starteten wir gruppenweise die Erkundung der Royal City. Einige schlenderten auf der Suche nach Mitbringseln über die überfüllte Oxford Street, einige ließen sich bei strahlendem Sonnenschein in einem der royalen Gärten nieder und wieder andere gingen auf Sightseeing-Tour, bis wir dann am frühen Abend wieder unsere Bullis bestiegen, um mit der Sonne im Rücken der Heimat entgegen zu brausen, bis dann Schlag 10 Uhr am Morgen des 4. August eine Freizeit endete, an die wir uns alle sicherlich noch lange gerne zurück erinnern werden.