Vortrag und lebhafte Diskussion über Wohnformen der Zukunft

Engagiert: Anna-Lena Strakeljahn (v.l.), Achim Wilmsmeier, Ursula Kremer-Preiß, Ina Rohleder, Wolfgang Wähnke, Christiane Kern und Andreas Huneke beim Diskussionsabend zum Thema „Wohnen im Alter“.SCS/Bad Oeynhausen. „Älter werden ist mit Chancen und Risiken verbunden“, sagte Referentin Ursula Kremer-Preiß in ihrem Einführungsvortrag zum Thema bedarfsgerechtes Wohnen und Leben im Alter. Anschließend diskutierte sie mit Bürgermeister Achim Wilmsmeier, Superintendent Andreas Huneke und Christiane Kern von der Johanniter-Unfall-Hilfe über Möglichkeiten für die Kurstadt und Umgebung. Zum Diskussionsabend 'Im Quartier, im Dorf, im Stadtteil – wie wollen wir zusammenleben?' hatten Diakonin Ina Rohleder und Anna-Lena Strakeljahn von der Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Vlotho im Rahmen der Veranstaltungsreihe 'Zuhause sein' in den Saal des Begegnungszentrums Druckerei eingeladen.

„Unsere Gesellschaft altert, das zeigt die demographische, ökonomische und soziale Entwicklung“, sagte Ursula Kremer-Preiß vom Kuratorium Deutsche Altershilfe. Dadurch ist eine lange neue Lebensphase entstanden, die mittlerweile länger dauert als die Jugend. „Ältere Menschen bringen ein enormes Erfahrungspotential mit. Sie sind oft bereit, sich einzubringen“, so die Referentin. Gleichzeitig steigt die Zahl der hochaltrigen Menschen, die mehr Pflege benötigen.

Wichtiges Thema: Aufmerksam lauschten die Zuhörer der Diskussion zum Thema „Wohnen im Alter“, die der Evangelische Kirchenkreis Vlotho im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Zuhause sein“ initiiert hatte.„Es gibt weniger Jüngere, die Ältere versorgen. Das familiäre Helferpotential verringert sich. Auch professionelle Pflegekräfte fehlen. Ein Wandel von der Versorgungs- zur Mitwirkungsgesellschaft vollzieht sich“, so Kremer-Preiß. „Die Bedürfnisse älterer Menschen sind unterschiedlich. Doch die meisten wollen selbstbestimmt im vertrauten Umfeld wohnen bleiben und am Leben teilhaben.“ Dem entsprachen auch die Wünsche der zahlreichen Zuhörer, die vorab gebeten worden waren, ihre persönlichen Wohnwünsche und Ängste im Alter zu notieren und an eine Pinnwand zu heften. Bei den Ängsten überwogen Einsamkeit, Abhängigkeit und Altersarmut, las Moderator Wolfgang Wähnke vor. „In England gibt es einen Minister gegen Einsamkeit“, sagte die Referentin.

Zu Beginn einer Quartiersgestaltung ist eine Analyse wichtig, welche Bedürfnisse die Menschen in ihren Lebensräumen haben. „Welche Ressourcen und Ideen gibt es? Was fehlt bei Wohnen, Begegnung, Infrastruktur?“, nannte die Expertin wichtige Punkte und riet als Erfolgsfaktor, die Betroffenen frühzeitig zu beteiligen und die Planung nicht nur Profis zu überlassen. Sie stellte verschiedene Projekte aus anderen Städten vor, berichtete über barrierefreies Wohnen, rollende Supermärkte, Nachbarschaftsvereine, Alltagshilfen, digitale Informationsmöglichkeiten, Pflegewohngemeinschaften und weitere Ideen, die bereits umgesetzt wurden. „Netzwerke und eine Zusammenarbeit verschiedener Träger sind wichtig“, betonte sie.

„Früher gab es Bürgerhäuser, jetzt werden neue Angebote zur Begegnung aller Altersklassen geschaffen, beispielsweise Mehrgenerationenhäuser“, begann Bürgermeister Achim Wilmsmeier die Diskussion. Er nannte den geplanten Neubau der Grundschule Eidinghausen als Beispiel, wo zukünftig auch ein Treffpunkt für Vereine entstehen soll. „Wir müssen ganzheitlich denken, nicht auf einzelne Gruppen bezogen“, betonte er. „Für Familien gibt es hier bereits funktionierende Netzwerke. Andere Bereiche, wie die Seniorenarbeit, sind dagegen noch stark entwicklungsbedürftig und die Anbieter noch nicht gut vernetzt“, sagte Superintendent Andreas Huneke. „Wir müssen Doppelstrukturen abbauen und aufeinander zugehen. Es lohnt sich, Gegenwarts- und Zukunftsfragen gemeinsam anzugehen.“ Als Beispiel nannte er das ehemalige Bürgerhaus und den Martin-Luther-Hof in Rehme, die derzeit beide alternativ genutzt werden.

Diskussionsrunde: Moderator Wolfgang Wähnke (v.l.) bei der Podiumsdiskussion mit Andreas Huneke, Christiane Kern, Achim Wilmsmeier und Ursula Kremer-Preiß.Auch der Umgang mit digitalen Medien wurde diskutiert. „Viele Informationen, wie auch der Seniorenwegweiser, sind schon veraltet, kurz nachdem sie gedruckt wurden“, sagte Christiane Kern. „Wir müssen die Möglichkeiten der digitalen Medien mehr nutzen“, stimmte ihr Andreas Huneke zu. „Viele ältere Menschen haben Smartphones. Doch auf komplizierten Homepages klickt man sich durch viele Seiten und findet dann doch nicht die gesuchte Information“, schilderte er seine Erfahrungen.

Nach der Podiumsdiskussion entstand ein lebhafter Austausch mit dem Publikum. „Das beweist, wie wichtig das Thema Wohnen in jeglicher Form für die Menschen ist und sie beschäftigt“, sagte Ina Rohleder. Bezahlbarer Wohnraum ist in Bad Oeynhausen rar. „Es gibt nicht genügend Platz“, sagte der Bürgermeister. Ein Architekt im Publikum erläuterte, dass die öffentlichen Fördergelder nicht reichen, um Sozialwohnungen zu bauen. Nachdem alte Wohnungen renoviert werden, sinken zwar die Nebenkosten, doch die Mieten steigen. Außerdem ist bezahlbarer Wohnraum oft nicht barrierefrei.

„Viele alte Menschen sorgen sich, ob die Rente reicht, und wohin sie dann umziehen müssen. Veränderungen sind ein großer Berg, der im Alter immer größer wird“, hat Ina Rohleder beobachtet. Deshalb stehe die Kirche den Menschen vor Ort zur Seite, um das Leben lebenswerter zu machen“, so die Diakonin. Weitergehende Workshops und Informationen zum Thema alternative Wohnformen sind bereits in Planung.

 

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