Jugendliche diskutieren über Kirchenkampf und Nationalsozialismus Kirchenkampf nicht vergessen AB/Porta Westfalica. Die Erinnerung wach halten wollen die Organisatoren der Evangelischen Jugend Porta Süd und der Stadtjugendpflege und luden Konfirmanden zu einem Gespräch über das Thema Kirchenkampf und Nationalsozialismus ins Ferdinand-Huhold-Haus nach Hausberge ein.
35 Konfirmanden von Pfarrer Michael Cremer und einige interessierte Erwachsene waren gekommen, um sich über die Geschichte Portas während des Nationalsozialismus zu informieren. „Ich weiß nur wenig über diese Zeit, meine Oma hat nur selten darüber gesprochen“, sagt die 14jährige Kim und verfolgt äußerst konzentriert das Impulsreferat des ehemaligen Hausberger Pfarrers Friedhelm Theiling über den Kampf zwischen den „bekennenden Christen“ um Pastor Blodau und den nationalgesinnten „deutschen Christen“ 1933/34 in ihrer Gemeinde.
Entsetzt ist auch Louis als er über die drei Außenlager des KZ Neuengamme in Barkhausen, Neesen/Lerbeck und Hausberge erfährt. „Ich wusste zwar durch meinen Opa, dass es hier Lager gab, aber was dort genau geschah, wusste ich bisher nicht.“ Über die rund 4000 Zwangsarbeiter unterschiedlicher Nationalität, die sich von März 1944 bis kurz vor Kriegsende für die Rüstungsindustrie in Porta bis zum Tode schufteten, berichtete Andreas Tutenberg vom Verein Gedenk- und Dokumentationsstätte Konzentrationslager Porta eindrücklich. Die Männer wurden im Jakobsberg zum Bau einer Raffinerie, die Schmieröl für die Kriegsmaschinerie herstellen sollte, gezwungen. Die Frauen, ein Großteil von ihnen waren ungarische Jüdinnen, mussten im Auftrag der Firma Phillips Radioröhren herstellen oder Wehrmachtsbekleidung nähen. „Die Arbeitsbedingungen waren sehr schlecht. Viele der Häftlinge bekamen wochenlang kein Tageslicht zu sehen: Noch bei Dunkelheit verließen sie das Lager und kehrten erst nach Sonnenuntergang von ihrem unterirdischen Arbeitsplatz zurück. In den Stollen starben 40 Zwangsarbeiter und rund 700 in den Lagern. Saboteure wurden vor den Augen ihrer Mithäftlinge hingerichtet“, weiß Andreas Tutenberg zu berichten. Bei der Evakuierung am 1. April 1945, so Tutenberg, vegetierten noch bis zu 1200 Häftlinge im Ballsaal des Hotels Kaiserhofes vor sich hin, rund 500 im Lager am Betonwerk Lerbeck/Neesen und etwa 1000 Frauen am Hausberger Frettholzweg. Die Jugendlichen waren von diesen Ausführungen berührt „es ist schrecklich, was hier passiert ist. Das geht mir ans Herz“ sagt Jenny leise und bekommt Zustimmung von Justin, der die Veranstaltung sehr nachdenklich verlässt. Katrin Weber, Jugendreferentin der Kirchengemeinde Porta Süd, ist überzeugt: „Wenn die Jugendlichen jetzt am Kaiserhof vorbeikommen, dann werden sie ihre Umgebung mit einem ganz anderen Blick sehen. Wir wollen mit diesen Gesprächen die Erinnerung wach rufen und so das Vergessen verhindern“. Foto (Anja Brandt) v.l.: Stadtjugendpfleger Olaf Böhne mit den Jugendlichen Justin, Louis, Kim und Jenny und Organisator Marcel Komucin. Über die NS-Zeit in Porta wurden Sie informiert durch: Andreas Tutenberg, Katrin Weber und Pastor Friedhelm Theiling.
Siehe auch:
- Norwegen 2011
- Kontrolliertes Zittern als Behandlungsmethode
- Total begeistert
- Alle in einem Pott
- Nicht nur WM-Fans in der Kirche
- Fahrt nach Taizé
- Babysitterkurs mit Zertifikat
- Nach wie vor ein Traumberuf
- Kinderdisco im Kings Corner ein voller Erfolg
- Sicherheit in der Kinder- und Jugendarbeit
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