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Calvin neu entdeckt Drucken E-Mail
Donnerstag, 17. September 2009
Vortrag mit Prof. Eberhard Busch im reformierten Gemeindehaus
Prof. Eberhard Busch
Sto/Vlotho. Leben und Werk des Reformators Johannes Calvin stand im Mittelpunkt eines Vortrags, zu dem die Evangelische Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Vlotho und die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde St. Johannis ins Gemeindehaus in der Moltkestraße eingeladen hatte. Unter dem Titel „Gotteserkenntnis und Menschlichkeit“ stellte Eberhard Busch, emeritierter Göttinger Universitätsprofessor für reformierte Theologie, den Werdegang und das Wirken des vor 500 Jahren in Noyon in Frankreich geborenen Reformators dar.

Busch setzte in seinem biographischen Abriss des Lebens von Johannes Calvin den Akzent auf dessen Herkunft und erste berufliche Orientierung: „Calvin war vor allem Franzose und betrachtete sich auch als Flüchtling in Genf als „Sproß eines ungezähmten Völkchens“. Seine Ausbildung als Jurist ebenso wie seine humanistische Prägung habe ihn zeitlebens nach Gerechtigkeit streben lassen. Er schilderte sehr plastisch die einzelnen Stationen des Lebenswegs, der den Theologen nach Basel, Genf und Straßburg geführt habe. Busch gab zudem einige Einsichten in die Theologie Calvins. Zusammenfassen lasse sie sich mit einem Satz aus Calvins Auslegung des Propheten Jeremia: „Wo Gott erkannt wird, da wird auch Menschlichkeit gepflegt“. Busch skizzierte Calvins Gottesverständnis, die Rechtfertigungslehre oder das Kirchenverständnis und nahm dabei ausführlich Bezug auf Calvins Schriften und die seiner Zeitgenossen. So unterstrich Busch beispielsweise auch die seelsorgliche Bedeutung der Kirchenzucht. Disziplinarische Maßnahmen wie Hausbesuche oder der Ausschluss vom Abendmahl, die Calvin in Genf praktizierte, sollten nicht in erster Linie strafen. Vielmehr sollte alles am Lebenswandel einzelner Christinnen und Christen beseitigt werden, was das Bekenntnis der Gemeinde störe. Calvin werde zu Unrecht unterstellt, durch die von ihm geprägte protestantische Arbeitsethik ideologischer Wegbereiter des Kapitalismus gewesen zu sein, betonte der Referent. Einen entsprechenden Zusammenhang hatte u.a. der deutsche Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe Max Weber Anfang des 20. Jahrhunderts unterstellt.

Eine Korrektur des landläufigen Bildes von Calvin sei dringend überfällig, meinte Busch. Calvin habe zwar die Verzinsung von Kapital nicht grundsätzlich abgelehnt, sei aber ein großer Feind des Wuchers gewesen. Außerdem habe er sich für soziale Gerechtigkeit eingesetzt.


Siehe auch:

  1. Glauben nach-denken
  2. Berufswunsch Evangelische Theologie
  3. „Kirche sein heißt Kirche werden“
  4. Gedenken an die Barmer Theologische Erklärung
  5. Gewissen und Gewissenlosigkeit
  6. Was geschieht bei der Taufe?
  7. Neue Theologische Beiträge
  8. Vier Gastprediger in der Heilig-Geist-Kirche
  9. Die Bibel in gerechter Sprache
 
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