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Gewissen und Gewissenlosigkeit Drucken E-Mail
Dienstag, 3. Juni 2008
Pfarrer i. R. Dr. Ingo Klaer im »Forum Kirche«
UT/Bad Oeynhausen. Über das Gewissen, seine Bildung und sein Versagen, referierte Pfarrer i. R. Dr. Ingo Klaer in einem gut besuchten Vortrag im Rahmen von Forum Kirche, der Vortrags- und Veranstaltungsreihe der Ev. Kirchengemeinde Bad Oeynhausen-Altstadt.

Das Gewissen ist der „Mitwisser im eigenen Bewusstsein“, jene innere Stimme, die sich von selbst meldet und das eigene Tun rückblickend oder vorausblickend beurteilt. Zur Gewissenlosigkeit kommt es, wenn keine kritischen Gedanken zugelassen werden. Dann muss von außen ins Gewissen geredet werden.

Dr. Klaer machte deutlich, dass das Gewissen nicht einfach mit der Stimme Gottes selbst gleichzusetzen ist. Gott urteilt gerecht, wird in biblischen Texten deutlich, nicht übertrieben streng oder übertrieben nachsichtig. Ob nach einer Tat ein gutes oder schlechtes Gewissen da ist, ob sich Gewissensbisse ergeben, hängt von den moralischen Grundüberzeugungen eines Menschen ab. Diese müssen aber erst erworben werden. Wir nehmen wahr, dass in Zeiten der Globalisierung oft recht verschiedene, geradezu kontroverse Moralsysteme aufeinander stoßen. So ist z.B. der Ehrbegriff kulturell sehr unterschiedlich gefüllt und das führt zu anderen Gewissensinhalten, die das menschliche Verhalten bestimmen.

Der Referent ging darauf ein, wie das Gewissen durch personale, weniger durch anonyme Gegenüber, inhaltlich beeinflusst werden kann: Vorbilder spielen eine wichtige Rolle. Jedoch gibt es nicht nur subjektive Einschätzungen, sondern auch objektive Maßstäbe. Luther vor dem Reichstag zu Worms bezog sich ausdrücklich auf die Bibel und auf vernünftige Argumente, um in seinem Gewissen überzeugt zu werden.

Dennoch ist zu oft auch von einem Versagen des Gewissens zu reden. Das kann an einem mangelhaften Wertebewusstsein ebenso liegen wie an geringer Verpflichtungsbereitschaft, in der man sich auf eine Zuschauerrolle beschränkt oder die Schuld erst einmal beim anderen sucht. Es gibt Schuldverdrängung oder die Einforderung zwar der eigenen Rechte, aber die Pflichten spielen keine Rolle. Auch ein allzu nachgiebiges Gedächtnis führt schnell zur Gewissenlosigkeit in der Einschätzung der Taten. Denn das Gewissen ist keine überdauernde Konstante, es wandelt sich, muss sich wandeln aufgrund der sich verändernden Lebensumstände.

Dr. Klaer stellte heraus: Die Bindung an das Gewissen als letzte Instanz in der Beurteilung des eigenen Tuns ist grundsätzlich zu respektieren. Aber dies muss begründet werden, um auch überprüft werden zu können, wobei Veränderbarkeit und Lernfähigkeit Voraussetzung sind. - Im Nachgespräch wurden an Beispielen viele Aspekte dieses interessanten Vortrags weiter vertieft.


Siehe auch:

  1. Glauben nach-denken
  2. Berufswunsch Evangelische Theologie
  3. „Kirche sein heißt Kirche werden“
  4. Calvin neu entdeckt
  5. Gedenken an die Barmer Theologische Erklärung
  6. Was geschieht bei der Taufe?
  7. Neue Theologische Beiträge
  8. Vier Gastprediger in der Heilig-Geist-Kirche
  9. Die Bibel in gerechter Sprache
 
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