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Die Frage nach der Wahrheit Drucken E-Mail
Mittwoch, 14. Juli 2010
Fesselndes Theaterstück mit aktuellen Fragen
Friederike von Krosigk (links) und Hubertus von Krosigk (rechts) in der Doppelrolle des Nathan mit dem persischen Sultan, dargestellt von dem Iraner Vahid Shahidifar (mitte).
RL/Bad Oeynhausen. Eine besondere Inszenierung des klassischen Theaterstücks „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing konnten die zahlreichen Besucher am Freitagabend in der Werster Versöhnungskirche erleben. Das Kulturreferat des Kirchenkreises Vlotho („KuK!“) hatte das „Ensemble Theatrum“ aus Sachsen-Anhalt eingeladen. Die bekannte Gruppe aus Hohenerxleben bot eine recht eigenwillige Neuinszenierung.

„Nathan der Weise“ ist das bekannteste dramatische Werk Lessings. Es liegt ihm eine lange Auseinandersetzung des Dichters mit theologischen Fragen zugrunde. Die Frage von Toleranz und Vernunft steht im Mittelpunkt des Stückes. Ein persischer Sultan lässt den Weisen Nathan zu sich kommen und stellt ihm die Frage, welche der drei großen Weltreligionen er für die wahre hält, die jüdische, die christliche oder den Islam. Die Neufassung des Ensemble Theatrum konzentrierte sich auf diese Religions-Dialoge des Stücks und stellte die berühmte Ringparabel als Höhepunkt an den Schluss. Die vier Mitglieder des Ensembles waren dabei häufig in unterschiedlichen Rollen zu sehen.

Zusätzlich zu den klassischen Dialogen brachten hebräische, frühchristliche und persische Gesänge, von einem orientalischen Instrument und einer Geige begleitet, Farbe in die Aufführung. Als weitere Besonderheit wies die Inszenierung eine doppelte Besetzung der Hauptfigur des Nathan auf. Friederike von Krosigk, Leiterin des Ensembles, teilte sich die Rolle mit Hubertus von Krosigk. Das Ensemble wagte damit die aktuelle These, dass männliche und weibliche Anteile heute wichtig sind für eine Weltordnung, die von Vernunft und Toleranz geprägt sein sollte.

Die Tiefe des Dramas wurde an diesem Abend durch den iranischen Darsteller Vahid Shahidifar in der Rolle des persischen Sultans besonders unterstrichen. Aber auch die übrigen Ensemblemitglieder überzeugten. Das bewusst zurückhaltende Bühnenbild war dicht an die Zuschauer herangerückt, so dass die Handlung zum Greifen nahe empfunden werden konnte. Zu Beginn wirkte das anspruchsvolle Stück noch etwas befremdend auf die Zuschauer. Die Intensität der Darstellung nahm aber schließlich alle in den Bann. Anhaltender Beifall belohnte die Akteure für ihre beeindruckende Interpretation des schwierigen Stoffs.


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