60jähriges Jubiläum des Gehörlosenvereins AES/Bad Oeynhausen. Am vergangenen Samstag feierte der Gehörlosenverein Bad Oeynhausen, Löhne und Umgebung sein 60jähriges Jubiläum. Nach einem Festgottesdienst in der Auferstehungskirche, den Pfarrerin Eltzner-Silaschi und Pfarrer Schröder in Gebärdensprache hielten, kamen über 90 Gäste im Bonhoefferhaus zusammen.
Dort begrüßte der Vorsitzende des Vereins, Günter Wehmeier, alle Gäste: die Bürgermeister der Städte Löhne und Bad Oeynhausen, Herrn Heinz Dieter Held und Herrn Klaus Müller-Zahlmann, und Herrn Hermann Riekötter, Vorsitzender des Landesverbandes der Gehörlosen NRW. Der Dolmetscher Waldemar Schwabeland begleitete die Festveranstaltung. In seiner Eröffnungsrede erinnerte der Vorsitzende Wehmeier an die Geschichte der Gehörlosen in Bad Oeynhausen. So gab es bereits im Jahr 1840 eine erste kleine „Taubstummenanstalt“ in Rehme, die zu Anfang bald 12 Schüler hatte und später zur Volksschule Lohe, danach im Jahr 1851 nach Petershagen umzog. Dort wurde sie 1876 selbständig.
Später wurde sie mit der Schule in Soest vereinigt. Vor der Gründung des Gehörlosenvereins Bad Oeynhausen fühlten sich die Menschen dem Mindener Verein zugehörig. Aber die Wege waren sehr lang ohne Auto, nur mit Fahrrad oder Bahn. Daher wurde dann vor 60 Jahren der Oeynhausener Verein gegründet. Das Gründungsmitglied Irma Meißner wurde für ihre 60jährige Mitgliedschaft geehrt. Der Landesverbandsvorsitzende Riekötter erläuterte noch einmal die Probleme, die Gehörlose im Alltag haben, z. B. wenn im Bahnverkehr nur Lautsprecherdurchsagen gemacht, aber keine schriftlichen Informationen gegeben werden. Auch wurde an die Pädagogik in Gehörlosenschulen erinnert, die früher keine Gebärdensprache zuließ. Die technischen Entwicklungen – Email, Handy, Fax, Bildtelefon, Chatrooms– haben die Kommunikationsmöglichkeiten erleichtert. Untertitel im Fernsehen gibt es auch schon oft, aber in Kinofilmen bislang leider nicht. Von Barrierefreiheit sind Gehörlose noch weit entfernt. Der Verein bietet eine Heimat ohne Kommunikationsschwierigkeiten. Die Bürgermeister gaben in ihren Grußworten zu, dass sie heute viel gelernt haben und regten an, Gehörlose in den Behindertenbeirat der Stadt zu berufen – auch wenn das bedeutet, dass immer ein Dolmetscher gestellt werden müsse. Nach weiteren Grußworten der Vereine von Herford, Bielefeld, Werne und anderen Vereinen ging die Feier bis in den Abend hinein. Für das leibliche Wohl hatten viele Mitglieder mit selbst gebackenem Kuchen und Salaten gesorgt. Die Vorbereitungen wurden neben Günter Wehmeier auch von dem stellvertretenden Vorsitzenden, Michael Paradies, Britta Büker und Doris Wehmeier durchgeführt. |