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Mittwoch, 16. Juni 2010
»Aktuelle Runde« über Ursachen von Gewalt an Schulen
Dr. Ruben Wickenhäuser
RL/Bad Oeynhausen. „Amokläufe durch Jugendliche an Schulen, sog. „School Shootings“, sind einschneidende Lebensereignisse. Wer einmal mit ihnen in Berührung gekommen ist, wird dies in der Regel sein Leben lang nicht vergessen“, so der Sozialpsychologe Ruben Wickenhäuser am Dienstag in der „Aktuellen Runde“ auf Einladung der Evangelischen Erwachsenenbildung im Wicherngemeindehaus.

Wickenhäuser ist Koordinator am Institut für Gewaltprävention in Berlin und hat sich speziell mit den Attentaten an Schulen in Deutschland und der Welt beschäftigt. Das erste Ereignis dieser Art fand im Dezember 1974 in den USA statt. Seitdem ist es weltweit nach einer offiziellen Zählung zu 99 dieser Taten gekommen. „In den letzten zehn Jahren“, so der Referent, „hat dabei die Häufigkeit nochmals zugenommen.“ Anschaulich verstand es der Sozialpsychologe, die Vorstellungswelten der jugendlichen Täter durch Tagebucheinträge, Zeichnungen, Tondokumente oder Filmausschnitte begreifbar zu machen. Dabei ging es ihm nicht um Effekthascherei, sondern um die Vermittlung von lösungsorientierten Anregungen für den Alltag.

Der Referent beklagte die oft unüberlegte und irreführende Berichterstattung in den Medien bei solchen Gewalttaten. Schnell und einseitig werde einzelnen Elementen der Jugendkultur die Schuld gegeben, zu denen Erwachsene oft keinen Zugang hätten. Die Forderung eines Verbots von gewaltverherrlichenden Computerspielen zum Beispiel wirke beruhigend und wecke die irreführende Hoffnung, das Problem überbordender Gewalttaten relativ einfach lösen zu können. Ein großer Fehler sei auch, dass die jugendlichen Täter oft eher als Opfer erschienen, weil das Elternhaus nicht harmonisch sei oder sie in der Schule Opfer von Mobbing gewesen seien und nun zurückgeschlagen hätten. Diese Darstellung sei meistens falsch und auch gefährlich, da sie andere zur Nachahmung ermutigten.

Einfache Lösungen konnte Wickenhäuser allerdings nicht anbieten. An Fallbeispielen wie den deutschen Taten in Erfurt, Emsdetten und Winnenden zeigte der Referent aber einleuchtend, wie bedeutend mangelnde soziale Bindungen und soziale Kontrolle für das Auftreten von schweren, zielgerichteten Gewalttaten an Schulen sind. Eine gute Einbindung in eine soziale Gemeinschaft sowie das ausgewogene Verhältnis von Selbstkontrolle und aufgezwungener Kontrolle helfe, solche Taten vorbeugend zu verhindern. Auf diesem Gebiet habe sich, so Wickenhäusers eigene Beobachtung, an vielen Schulen in Deutschland auch schon etwas getan. So helfe die Beteiligung der Schüler an Konfliktlösungen und die Ausbildung so genannter Konfliktlotsen, die Aggressionen zu verringern.


Siehe auch:

  1. Wo bleibt die Menschenwürde?
  2. Wirkungsvoll Gewalt begegnen
 
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